Chartreux von Steinacker

DIE DOMESTIZIERTE KATZE IST EIN WIDERSPRUCH IN SICH.

Amiras Nachwuchs 12 Wochen 002Kein anderes Tier hat eine so enge Beziehung zum Menschen entwickelt und sich gleichzeitig so viel Unabhängigkeit und Bewegungsfreiheit bewahrt. Der Hund mag der beste Freund des Menschen sein, aber nur selten erlaubt man ihm, frei und nach eigenem Willen durch Garten und Straßen zu laufen. Der gehorsame Hund muss sich spazieren führen lassen, die eigensinnige Katze aber streift frei umher.

Katzen führen ein Doppelleben. Zu Hause bleiben sie immer Katzenkinder, die zu ihrem Besitzer aufsehen. Draußen, auf der Pirsch, ist die Katze völlig erwachsen, ihr eigener Herr, ein freies, wildes Tier, wachsam und nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Ihren menschlichen Besitzer vergisst sie dabei vorübergehend vollkommen. Es ist faszinierend, diese blitzschnelle Verwandlung vom zahmen zum wilden Tier und zurück zu erleben.

Jeder Katzenhalter wird wissen, was ich meine, wenn er jemals zufällig seinem Haustier im Freien begegnet ist, als es völlig vertieft war in eines jener Katzendramen voll Sex und Gewalttätigkeit. Das Tier mag völlig aufgehen in seinem intensiven Werben oder im Kampf um die Rangordnung, bis es aus dem Augenwinkel seinen menschlichen Besitzer entdeckt.

Einen zwiespältigen Augenblick lang ist die Katze hin und her gerissen; ein Zögern- dann läuft sie herbei, reibt sich am Bein des Besitzers und wird wieder zum Hauskätzchen.

Dass die Katze zahm bleibt, ist ein Ergebnis dessen, wie sie aufwuchs.